
Ursula K. Le Guin
»Lavinia«
Übersetzt von Matthias Fersterer
Nachwort: U. K. Le Guin, Karte: Jeff Mathison
Carcosa, 2025, 306 Seiten
Da ich nicht zu jenen gehöre, die »ihren Vergil im Original« lesen können (wie die Romanistin Le Guin es gerne erzählte), musste ich vor der Lektüre von »Lavinia« noch mal schnell mein Konversationslexikon befragen: Der römische Dichter Vergil lebte im 1. Jahrhundert vor Christus und verfasste mit seinem Versepos »Aeneis« den Gründungsmythos des Römischen Reiches. Darin erzählt er die Fahrten und Abenteuer des Aeneas, beginnend mit dessen Flucht aus dem brennenden Troja bis hin zu seiner Landung in Italien und den dortigen Kämpfen um die Herrschaft über Rom. Dabei lernt er König Latinus kennen, der ihm seine Tochter Lavinia zur Frau gibt. Ihr bleibt bei Vergil jedoch eine stille Nebenrolle beschieden.
Womit die Rahmenhandlung abgesteckt wäre, in die Ursula K. Le Guin nun ihre Version vom Leben der Prinzessin, Ehefrau, Mutter und Königin Lavinia einfügt und ihr eine Art »poetischer Gerechtigkeit« widerfahren lässt.
Die Ich-Erzählerin Lavinia erhebt nun ihre Stimme und erzählt ihre Leb…